#isso: Darum sollte der Fußball nicht für Polizeikosten zahlen

Dass ein paar „unbelehrbare Idioten“ den Steuerzahler so viel Geld kosten kann ja wohl nicht sein. So denken viele über Polizeieinsätze bei Fußballspielen. Wenn das Land Bremen aber in Zukunft die Vereine dafür zur Kasse bitten darf, dann könnte das weitreichende Folgen haben, die weit über den Fußball hinaus gehen.

90 Prozent dafür

An diesem Freitag entscheidet ein Gericht in Leipzig darüber, ob das Land Bremen die Polizeikosten für sogenannte Hochrisikospiele der Deutschen Fußball Liga (DFL) in Rechnung stellen darf. 90 Prozent der Deutschen sind laut einer Umfrage dafür. Warum auch nicht, könnte man meinen. Sind nicht die Vereine dafür verantwortlich, dass ihre Fans sich ordentlich benehmen?

Kernaufgabe des Staates

Die Antwort darauf kann aber kein eindeutiges Ja sein. Denn niemand kann alles vorhersehen. Erst recht nicht, wenn es um Tausende Menschen geht, die sich außerhalb des Stadions selbstverständlich frei bewegen dürfen. Und selbst wenn: Für Sicherheit und Ordnung zu sorgen ist eine der wichtigsten Kernaufgaben des Staates – auch wenn Menschen zufällig einen Fanschal tragen.

Volksfeste und Demonstrationen

Wäre das nicht so, dann müsste nicht nur der Fußball, sondern jeder Veranstalter selbst für die Sicherheit sorgen – bei jedem Volksfest, jeder Demonstration und jedem Konzert. Vieles würde dann aus Kostengründen vermutlich gar nicht stattfinden. Die Bundesliga hingegen könnte sich das wohl leisten. Sie zahlt allerdings sowieso Hunderte Millionen Euro im Jahr an Steuern, bringt zudem viele Hotel- und Gastronomiegäste in die Städte. Und was ist mit den untereren Ligen? So manchen Dritt- oder Viertligisten dürfte es hart treffen, wenn das Geld für Polizeieinsätze im Etat fehlt.

Was ist „Hochrisiko?

„Nun geht es bei dem Urteil ja nur um sogenannte „Hochrisikospiele“, wird mancher jetzt einwenden. Aber was ist das eigentlich und wer legt das fest? Eine Richtlinie dafür gibt es nicht und kann es letztlich auch nicht geben. Ausschlaggebend für die Einstufung ist wohl die Einschätzung der Polizei – die den Bundesländern unterstellt ist. Und welches Interesse werden diese wohl haben? Außerdem: Wird das Münchener Oktoberfest dann demnächst auch zu einem „Hochrisikofest“ ernannt?

Teil der Gesellschaft

Auch wenn es einem nicht gefällt, dass ein paar vermeintlich gewaltbereite Ultras solche Kosten verursachen – sie sind ein Teil dieser Gesellschaft und diese muss für die Polizei ebenso aufkommen, wie sie auch für Richter, Gefängnisse oder Behörden aufkommt.

Peter Gassner

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Peter Gassner, geboren am Niederrhein, volontierte nach seinem Studium der Geschichte und Politik im mittelhessischen Marburg bei der dort ansässigen Oberhessischen Presse. Nach Zwischenstation beim General-Anzeiger in Bonn wurde er nun an die Nordsee-Küste gespült. Besonderes Interesse an Sport aller Art.