In Nordenham werden Hebammen knapp

Geburtsvorbereitung, die Geburt selbst, Tipps fürs Stillen, Nabelpflege, Rückbildungsgymnastik – das alles sind Aufgaben, die Hebammen übernehmen. Schwangere und junge Mütter mit ihren Babys haben einen gesetzlichen Anspruch auf fachliche Betreuung. Doch so einfach ist es nicht: In Nordenham und Umgebung fehlt es an Hebammen. Heike Stefanoff, die gemeinsam mit Ines Bohnhoff die Hebammenpraxis „Rund & lütt“ betreibt, kennt den Mangel. „Wir können längst nicht mehr alle Frauen annehmen, die sich zum Beispiel für einen Geburtsvorbereitungskursus anmelden möchten“, sagt sie.

Große Arbeitsbelastung

Nicht nur in der Wesermarsch, überall in Deutschland mangelt es an den qualifizierten Helferinnen rund um die Geburt. Das hat verschiedenen Gründe. Die Arbeitsbelastung ist einer davon. Im Nordenhamer Krankenhaus arbeiten die Hebammen, wie berichtet, seit kurzem nicht mehr freiberuflich, sondern sind angestellt mit festen Dienstzeiten.

Schlechte Bezahlung

Doch die Arbeit im Kreißsaal ist nur ein Teil der Aufgaben. „Die Hebammen arbeiten alle auch noch freiberuflich und wollen das auch, um das gesamte Spektrum abzudecken“, erläutert Heike Stefanoff. Das sei allerdings alles andere als gut bezahlt: „Wir kommen auf etwa 8 Euro brutto pro Stunde, das ist weniger als der Mindestlohn“, berichtet sie aus ihrer eigenen Praxis.

Himmelhohe Prämien

Es ist nicht außerdem eben preiswert, als Hebamme zu arbeiten. Freiberufliche Fachfrauen, die Geburtshilfe leisten, sind dazu verpflichtet, für alle Fälle haftpflichtversichert zu sein – und die Prämien sind himmelhoch. „Das ist natürlich besser, wenn die Hebammen im Krankenhaus angestellt sind“, sagt Heike Stefanoff. In den vergangenen Jahren hätten die Versicherungsprämien jedenfalls viele Frauen abgeschreckt, den Beruf zu ergreifen.

 

Ellen Reim

Ellen Reim

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Seit mehr als 25 Jahren ist sie mit Leib und Seele Lokalredakteurin bei der Kreiszeitung Wesermarsch. Vor allem in Nordenham kennt sie sich bestens aus.