Lieber Selbstgemachtes als ein gekaufter Blumenstrauß

Gedichte, Bilder und gebastelte Herzen: Michaela Schwarting hat noch viele der Geschenke griffbereit, die sie in den vergangenen Jahren zum Muttertag bekommen hat. Und das sind etliche, denn die Esenshammerin und ihr Mann Bernd haben acht Kinder. Inzwischen ist die 44-Jährige sogar schon Großmutter. Im Gespräch mit Frank Lorenz verrät sie, was sie vom Muttertag hält und welche Herausforderungen eine Mutter heutzutage meistern muss.

Verläuft der Muttertag bei Ihnen besonders?

Normalerweise haben wir an jedem Sonntag das Ritual, dass ich länger schlafen kann und sich mein Mann und die Kinder ums Frühstück kümmern – was bei vielen anderen sonst eine typische Aktion zum Muttertag wäre. Aber in diesem Jahr wird es dennoch etwas Besonderes.

Ja, inwiefern?

Mein Sohn Theis wird am Sonntag zehn Jahre alt. Dazu werden die Großeltern und seine Geschwister kommen und wir feiern mit der ganzen Familie.

Welche Einstellung haben Sie zum Muttertag? Ist er Ihnen wichtig?

Ich finde es gut, dass es diesen Tag gibt, um die wichtige Rolle der Mutter in der Gesellschaft präsent zu halten. Was mich hingegen stört, ist die Kommerzialisierung, die der Muttertag erlebt. Das müsste nicht sein. Und ich glaube, die meisten Mütter freuen sich mehr über eine selbst gebastelte Kleinigkeit als über den gekauften Blumenstrauß. Generell fände ich es schön, wenn man das ganze Jahr über die Rolle der Mutter und der Omas zu würdigen weiß.

Was hat sich denn an den Aufgaben der Mütter in den vergangenen Jahren verändert?

Es ist komplexer geworden, nicht zuletzt durch die Medien, Handy, Computer, Playstation und Co. Früher haben die Kinder viel draußen gespielt, weil es diese Geräte noch gar nicht gab. Heute ist man als Mutter viel damit beschäftigt, dafür zu sorgen, dass die Kinder nicht den ganzen Tag damit verbringen. Gleichzeitig muss man sich auch selbst mit den neuen Medien beschäftigen, um zu wissen, was die Kinder damit so treiben.

Aber es hat sich sicherlich auch etwas verbessert.

Natürlich. Man nehme nur die Hausarbeit. Da gibt es inzwischen viele Geräte und Produkte, die einem die Arbeit erleichtern, was früher alles noch von Hand erledigt werden musste. So wird Zeit für andere Dinge frei. Und durch die modernen Kommunikationswege wie Whatsapp ist es einfacher, sich mit anderen Eltern abzustimmen, wofür man früher stundenlang herumtelefoniert hätte.

Ist es denn auch einfacher geworden, Kinder zu erziehen – Stichwort: Ganztagsbetreuung?

Es ist einiges getan worden, um es Frauen zu ermöglichen, nach der Geburt schneller wieder in den Beruf zurückzukehren. Aber nicht jeder bekommt sofort einen Krippenplatz oder einen Platz bei einer Tagesmutter. Und weil bei uns in Esenshamm die Grundschule geschlossen wurde, sind die Kinder auf unterschiedlichen Schulen im Stadtgebiet verteilt. Das muss man erst einmal organisieren. Insofern ist es gut, wenn man ein Netzwerk aufbaut, in dem auch die Großeltern, die älteren Geschwister der Kinder oder die Patentante einspringen können, wenn es mal eng wird.

Welche Probleme gibt es noch?

Die Kitas haben viele freie Tage und Ferientage, beispielsweise vor Feiertagen. Dann muss man von seinen durchschnittlich 30 Urlaubstagen, die man als Arbeitnehmer hat, viele einzeln nehmen, um die Betreuung zu gewährleisten. Dann kommen noch die Schulferien der älteren Kinder hinzu, sodass kaum zusammenhängender Urlaub für gemeinsame Erholung der ganzen Familie übrig bleibt.

Wenn Sie sich etwas für sich und alle Mütter wünschen könnten – was wäre das?

Zum einen wäre es eine finanzielle Entlastung für Familien mit kleineren und mittleren Einkommen. Gerade junge Eltern und kinderreiche Familien bräuchten mehr Unterstüzung. In meiner Tätigkeit als pädagogische Mitarbeiterin an einer Grundschule bekomme ich da viel mit. Eine Grund-Ausstattung für Erstklässler beispielsweise ist kaum für unter 200 Euro zu haben. Zum anderen wünschte ich mir weniger Bürokratie, beispielsweise wenn man die Angebote des Bildungs- und Teilhabepaketes in Anspruch nehmen oder eine Mutter-Kind-Kur buchen möchte. Und dann ist da noch eine Sache, die ich schade finde.

Welche denn?

Die Esenshammer Kinder gehen ja seit der Schließung der Grundschule auf verschiedene Nordenhamer Schulen und besuchen teilweise auch schon verschiedene Kitas. Daher kennen sich die Eltern und auch die Kinder innerhalb des Dorfes zum Teil nicht mehr. Das war früher anders. Ich würde mir wünschen, dass sich das wieder ändert.

Frank Lorenz

Frank Lorenz

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Frank Lorenz, Jahrgang 1982, stammt aus Bremerhaven und ist seit 2008 Redakteur bei der Kreiszeitung Wesermarsch. Er studierte Journalismus und Technische Kommunikation im Ruhrgebiet und volontierte bei der Nordsee-Zeitung.