Offshore-Einsatz: Lenkdrachen sorgen für Strom

Die Herstellerfirma Sky Sails Marine Performance aus Hamburg setzt jetzt auf Drachen als Stromerzeuger – Windkraft 2.0 sozusagen, wie Geschäftsführer Stephan Wrage beim Stammtisch des Branchenverbands der Windindustrie WAB berichtete.

Ab 250 Metern ist der Wind ergiebiger

Die Firma will hoch hinaus – im wahrsten Sinne des Wortes: „In größeren Höhen ab 250 Metern ist der Wind ergiebiger. Da wollen wir hin“, erläutert Wrage. Doch Türme in dieser Höhe seien extrem teuer. Abhilfe könne hier das System mit Basisstation, Lenkdrachen und Seil schaffen.
Wie funktioniert das? „Ganz einfach“, sagt Wrage. Der Drachen – etwa 400 bis 800 Quadratmeter groß – werde in eine Höhe von 200 Metern gebracht. Dort ziehe er seine Bahnen: „Achten oder Kreise“, wie der Geschäftsführer sagt. Den Rest übernehme der Wind, der den Drachen nach oben reiße – mit einer Geschwindigkeit von über 200 Kilometer pro Stunde. „Und das treibt unten in der Basisstation den Generator an“, erläutert Wrage.

Mehr Stunden im Jahr Energie erzeugen

Bis 600 Meter Höhe soll der Drachen eingesetzt werden. Viel höher geht nicht, denn über 800 Metern beginnt der Luftraum für Flugzeuge. Hat der Drache die Höhe von 600 Metern erreicht, holt ihn eine Automatik auf 200 Meter zurück, und der Vorgang startet erneut. „Das Zurückholen kostet natürlich Energie. Aber wir verbrauchen nur 30 bis 50 Sekunden Energie, dafür erzeugen wir zwei Minuten lang welche“, betont Wrage. Die Leistung dieser Anlagen sei derzeit noch gering: Die Firma fange bei 100 Kilowatt an, wolle diese aber auf ein bis zwei Megawatt steigern. Gegenüber den großen Windenergieanlagen auf See scheint das wenig. „Dafür können wir aber auch mehr Stunden im Jahr Strom erzeugen“, sagt Wrage.

Ohne Turm und festes Fundament

Ein weiterer Vorteil: Der Drachen braucht keinen Turm und auch kein festes Fundament, sondern nur eine schwimmende Plattform, die mit einfachen Ankern am Meeresboden befestigt wird, wie Wrage sagt. Alles kostengünstiger als eine herkömmliche Anlage.  Auch der Aufbau einer Anlage ist einfach: „Sie wird nur aufs Meer geschleppt und verankert“, sagt Wrage. Auch die Wartung sei nicht aufwendig: Der Drachen werde einmal im Jahr gewechselt, das Zugseil zweimal im Jahr. „Außerdem kann so jedes Jahr eine neue, weiterentwickelte Generation der Drachen eingesetzt werden.“