Tierschutz im Handel: Hier dürfen Bruderküken leben

Tierschutz im Regal: Volieren-Eier, Freiland-Eier oder Eier aus Bodenhaltung? Im Eier-Dschungel herrscht die Qual der Wahl. Und nicht selten auch die Wahl der Qual. Denn mit seiner Kaufentscheidung unterstützt der Verbraucher die jeweilige Haltungsform. Der Einzelhandel bietet Tierfreunden jedoch zunehmend Alternativen.

Jens Knauer hebt einen Karton mit sechs Eiern aus einem der Regale. „Alnatura unterstützt die Bruderküken-Initiative“ steht darauf. Dahinter steckt eine Initiative, bei der auch männliche Küken aufgezogen werden, erzählt der Inhaber der Edeka-Filiale am Roten Sand.

Männliche Eintagsküken gelten als unwirtschaftlich

Dass männliche Küken nicht bereits am ersten Tag ihres Lebens getötet werden, ist nämlich alles andere als selbstverständlich. Weil die männlichen Nachkommen keine Eier liefern und zu langsam Fleisch ansetzen, sind sie unwirtschaftlich. Häufig werden sie daher von den Erzeugern als Eintagsküken getötet. Unter anderem Alnatura lehnt diese Praxis ab und hat 2016 mit Bio-Bauern die Bruderküken-Initiative ins Leben gerufen.

Alnatura ist mittlerweile nicht mehr die einzige Marke, die auf die Aufzucht und Mast der männlichen Küken setzt. Bei Real beispielsweise können Verbraucher von der Marke „haehnlein“ ebenfalls Bio-Eier kaufen, für die keine männlichen Küken getötet werden. Insgesamt sind diese Angebote bislang jedoch, so Frank Grüneisen von der Real-Pressestelle, eher Ausnahmen auf dem Eiermarkt.

Auch artgerechte Tierhaltung wichtig

Unabhängig von der Eintagsküken-Problematik bedeutet der Kauf von Bio-Produkten generell nicht automatisch, dass die Tiere auch artgerecht gehalten wurden.
Dennoch: „Das Thema Tierwohl beinhaltet bei Bio-Ei-Produzenten zumeist die Haltung der Tiere“, sagt Knauer. „Bei Demeter zum Beispiel heißt das vor allem auch wesensgemäße Haltung.“ Also genug Platz, genug Möglichkeiten zum Scharren und Picken, Auslauf ins Freie, ökologische Futtermittel.