Polarforscherin: Warum uns Erderwärmung Kälte bringt

Der Januar dieses Jahres war eiskalt. „Von wegen Klimawandel“, dachten sich viele. Doch genau dieser Kälteeinbruch war wohl eine Auswirkung davon, sagt Polarforscherin Dr. Renate Treffeisen vom Alfred-Wegener-Institut (AWI): „Es handelt sich um Kaltluftausbrüche aufgrund der gestiegenen Temperaturen in der Polarregion.“

In der Arktis sei es besonders warm geworden, sagt die Leiterin des Klimabüros am AWI. „Das können wir an unserer Forschungsstation auf Spitzbergen deutlich sehen. Pro Dekade wird es im Sommer 1,4 Grad wärmer, im Winter sogar um 3,1 Grad.“ Und das habe Auswirkungen auf unser Wetter. Denn die Wärme beeinflusst die Bahn des Jetstreams, sorgt dafür, dass warme Luft weiter nach Norden und kalte Luft weiter nach Süden gelange. Die Folge: Kälteeinbrüche, die bis in mittlere Breiten wirken.

Wichtiges Puzzleteil im Klimasystem

„Die Erwärmung an den Polen betrifft uns also“, betont Treffeisen. Eine wichtige Komponente des Klimasystems sei das Meereis. „Die Eisflächen sorgen dafür, dass bis zu 90 Prozent der Sonnenstrahlen reflektiert werden. Je weniger Eis da ist, desto weniger Sonnenlicht wird reflektiert. Es wird hingegen vom Ozean aufgenommen. Und je mehr dieser aufnimmt, desto wärmer wird er und in Folge dessen die Atmosphäre“, erläutert Treffeisen.

2050 könnte die Arktis eisfrei sein

Das Meereis nimmt ab – stetig. Von 1979 bis 2017 sei das Eis pro Dekade um 12,7 Prozent zurückgegangen. „Wir rechnen damit, dass ab 2050 die Arktis im Sommer komplett eisfrei sein könnte“, sagt die AWI-Forscherin.  Festzuhalten sei, dass die Meereisbildung seit 1979 um 40 Prozent abgenommen habe, macht Treffeisen deutlich. „Und das kann ganz erhebliche Auswirkungen auf das Wetter in Europa haben“, betont sie.