Hospizhelfer aus Zeven und umzu: Der Tod gehört zum Alltag

Es ist ein Thema, über das nicht gerne gesprochen wird. Das so lange verdrängt wird, bis es sich irgendwann von allein aufdrängt – der Tod. Der ambulante Hospizdienst Bremervörde-Zeven begleitet schwerkranke Menschen und ihre Angehörigen durch diese Zeit. Zwei ehrenamtliche Helfer haben nord24 von ihrer Arbeit berichtet.

50 Ehrenamtliche in drei Ortsgruppen

Mehr als 50 ehrenamtliche Helfer stehen den Betroffenen in den drei Ortsgruppen – Zeven, Selsingen, Bremervörde – bei. Darunter sind auch Karin Enghard aus Zeven und Kerstin Carstens aus Hamersen.

Zeitungsartikel gab Anstoß

„Mit den Themen Tod und Sterben beschäftigen sich viele erst, wenn sie im Familien- und Bekanntenkreis damit konfrontiert werden“, sagt die Leiterin der Zevener Ortsgruppe, Kerstin Carstens. Auch bei ihr war es nicht anders. „Als meine Oma gestorben ist, habe ich mich mehr mit dem Thema auseinandergesetzt.“ Über einen Zeitungsartikel ist sie später auf den ambulanten Hospizdienst Bremervörde-Zeven aufmerksam geworden. Das war im Jahr 2013.

Ausbildung

Auch die Geschichte von Karin Enghard klingt ähnlich. Der Tod ihrer Schwester und ihres Vaters sind nicht spurlos an der Zevenerin vorübergegangen. „Ohne ein solches Erlebnis kommt, glaube ich, keiner zum Hospizdienst“, sagt sie bedrückt. „Ich habe mich 2009 ausbilden lassen. Viele sind zur Infoveranstaltung gekommen, aber nicht alle sind dageblieben“, sagt sie.

Zuhören und verstehen

Wer als Hospizhelfer tätig sein möchte, muss eine mehrmonatige Ausbildung durchlaufen. Dazu gehört die Teilnahme an einem Grundkurs, bevor ein Praktikum im Pflegeheim oder im Krankenhaus ansteht. „Beim Praktikum geht es noch nicht um die Sterbebegleitung. Es geht vielmehr darum, Kontakt aufzunehmen und ins Gespräch zu kommen“, sagt Carstens. Anschließend muss ein Aufbaukurs absolviert werden. In den Kursen wird vermittelt, wie wichtig das Zuhören und Verstehen ist, und der Begleit-Prozess anhand von Fallbeispielen besprochen. Am Ende erhält jeder Teilnehmer ein Zertifikat.

Sie spenden Zeit

Anfragen bekommt der Hospizdienst, der vom Kirchenkreis Bremervörde-Zeven und der Krebsfürsorge Bremervörde-Zeven getragen wird, von Pflege- und Altenheimen, von Palliativärzten und Angehörigen. „Wir sind für die Menschen da. Wir schenken unsere Zeit“, so Enghard. Mal lesen die Begleiterinnen vor, mal spielen sie ein Gesellschaftsspiel, ein anderes Mal hören sie einfach nur zu oder halten die Hand.

Aus Gast wird Familie

Viele besondere Momente verbinden die beiden mit ihrer Tätigkeit. Ein Moment bringt Kerstin Carstens zum Schmunzeln: „Mit einer Familie spiele ich immer Mensch ärgere dich nicht. Zuerst durfte ich immer anfangen, weil ich Gast war. Das hat sich dann aber schnell gelegt. Ich gehöre jetzt schon zur Familie.“

Sophie Stange

Sophie Stange

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Sophie Stange kommt gebürtig aus Lutherstadt Wittenberg. Von September 2016 bis Ende Mai 2019 arbeitete sie als Redakteurin bei der Zevener Zeitung. Zuvor hat sie das Bachelorstudium "Angewandte Medienwissenschaft" an der TU Ilmenau absolviert. Ein zweijähriges Volontariat bei der Schweriner Volkszeitung folgte kurz darauf. Zudem hat sie den Masterstudiengang "Journalismus und Medienwirtschaft" an der Fachhochschule Kiel erfolgreich abgeschlossen.