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Steinfeld: Landwirt findet klare Worte zur neuen Düngeverordnung

Mehr Transparenz soll die neue Düngeverordnung bringen, sinnvolle Nährstoffkreisläufe stehen im Mittelpunkt und die Nitratwerte im Grundwasser sollen vermindert werden – so lauten einige Ziele des Landwirtschaftsministeriums. Bernd Mindermann betreibt einen Hof in Steinfeld. Welche Auswirkungen die neue Verordnung für ihn hat, schilderte er Nord24Zeven.

Ein „bürokratischer Gau“

„Ich sehe die Düngeverordnung äußerst kritisch. Es gibt in der Landwirtschaftspolitik keine menschlichen und sozialen Komponenten mehr“, sagt der 57-jährige Landwirt. Er beschreibt die neue Verordnung als „einen bürokratischer Gau.“

Blick in die Glaskugel

„Die Verordnung ist sehr komplex und erfordert in Teilen einen Blick in die Zukunft, der den exakten zukünftigen Tierbesatz einfordert und Erntemengen prognostiziert, wo noch gar keine Aussaat stattgefunden hat.“ Zudem könne kein Landwirt Wetterereignisse ein Jahr im Voraus erahnen, die mit ihren Auswirkungen in die Düngebilanzen einfließen, sagt er.

30 Dokumente pro Jahr

Alle 16 Bundesländer interpretieren zudem die Düngeverordnung anders, was die Umsetzung für die Landwirte erschwert. „Der bürokratische Aufwand erhöht sich immens. Das bedeutet, dass ich zukünftig für meinen landwirtschaftlichen Betrieb bis zu 30 verschiedene Dokumente im Jahresverlauf erstellen muss“, so der Landwirt.

Einhaltung der Stickstoff-Grenze

Das größte Problem sieht Mindermann in der Einhaltung der Stickstoff-Grenze in Form von Wirtschaftsdünger. „Wir sind ein kleiner Sonderfall. Wir machen relativ intensive Rindviehhaltung mit Grüngrasfütterung und Leguminosen-Anbau. Wenn ich meine Tiere ordentlich versorgen möchte, liegt der Stickstoff-Bedarf bei Grünland in etwa bei 300 Kilogramm pro Hektar. Laut der neuen Düngeverordnung habe ich aber eine 170 Kilogramm-N-Grenze aus Wirtschaftsdünger.“

Qualität leide darunter

Die Verringerung der Gesamtdüngemenge sieht Mindermann aus Wasserschutzgründen positiv,  jedoch leide darunter die Qualität der Nahrungsmittel. Denn Stickstoff wird für die Eiweißproduktion in der Pflanze benötigt – und diese wird nun verringert.

Hohe Kosten für neue Technik

Als landwirtschaftlicher Durchschnittsbetrieb mit 100 Kühen, 100 Bullen und etwa 100 Hektar Land rechnet er jährlich mit 5000 bis 10 000 Euro Verlusten. Eine neue Siloanlage für 300 000 Euro hat Mindermann gerade gebaut. Ein neuer Schlepper mit 220 PS für 150 000 Euro müsste ebenso besorgt werden, wie ein neues Güllefass für 100 000 Euro. „Selbst zu düngen, ist eigentlich nicht mehr möglich.“

100 Kühe und 100 Bullen besitzt der Landwirt Bernd Mindermann in Steinfeld. Zudem zählen knapp 100 Hektar Land zu seinem Eigen.
100 Kühe und 100 Bullen besitzt der Landwirt Bernd Mindermann in Steinfeld. Zudem zählen knapp 100 Hektar Land zu seinem Eigen. Foto: Stange
Sophie Stange

Sophie Stange

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Sophie Stange kommt gebürtig aus Lutherstadt Wittenberg. Seit September 2016 arbeitet sie als Redakteurin bei der Zevener Zeitung. Zuvor hat sie das Bachelorstudium "Angewandte Medienwissenschaft" an der TU Ilmenau absolviert. Ein zweijähriges Volontariat bei der Schweriner Volkszeitung folgte kurz darauf. Zudem hat sie den Masterstudiengang "Journalismus und Medienwirtschaft" an der Fachhochschule Kiel erfolgreich abgeschlossen.