Ein Neubürger fragt: Warum hegen die Bremerhavener so eine Hassliebe zu ihrer Heimat?

Christoph Käfer ist der Neue. Vor wenigen Wochen ist er von Flensburg nach Bremerhaven gezogen und arbeitet seitdem in der Onlineredaktion. Als Neubürger fallen ihm ständig Eigenarten in der Stadt auf, bei denen er sich fragt: Warum ist das eigentlich so? Denen geht er auf den Grund und schreibt jeden Mittwoch auf Nord24 darüber. Heute: Warum gibt es im Bürgerbüro der Stadt kein elektronisches Wartenummersystem, sondern eine persönliche Anmeldung?

Wer kritisiert, wird kritisiert

Die Bremerhavener sind schon ein eigenartiges Völkchen – besonders wenn es um ihre eigene Stadt geht. Das habe ich in der sehr kurzen Zeit, die ich bislang hier wohne, schnell festgestellt. Wer es sich als Zugezogener erlaubt, Eigenarten der Stadt durch den Kakao zu ziehen, erntet schnell Gegenwind.

Gespaltenes Verhältnis zu Bremerhaven

Christoph Käfer ist ein Neubürger in Bremerhaven. Und einige Dinge kommen ihm komisch vor. Für nord24.de hat er nachgefragt, warum manches so ist, wie es ist.
Christoph Käfer ist ein Neubürger in Bremerhaven. Und einige Dinge kommen ihm komisch vor. Für nord24.de hat er nachgefragt, warum manches so ist, wie es ist. Foto: Scheschonka / Montage: Gefers

Komplett anders ist es aber, wenn dies Bremerhavener selbst – und dann auch in ungleich schärferem Ton – tun, wie die zahlreichen Reaktionen auf den Beitrag „10 Dinge, warum Bremerhaven einfach nur schrecklich ist“ gezeigt haben.

Keine Erklärung bislang

Doch nicht nur da zeigt sich: Viele Bremerhavener haben ein zwiespältiges Verhältnis zu ihrer Stadt. Oder anders gesagt: Die einen lieben sie (was ich mittlerweile absolut verstehen kann), die anderen hassen sie und lassen kein gutes Haar an Bremerhaven. Warum das so ist, habe ich für mich noch nicht herausgefunden.

Viele schöne Flecken

Dabei hat die Stadt unheimlich viele schöne Ecken, angefangen vom Deich, dem Zoo am Meer über die Innenstadt und dem Klimahaus bis hin zum Bürgerpark. Die Bremerhavener wissen das oder sollten es zumindest. Aber außerhalb der Stadt haben leider viele nicht dieses Bild. Von einem Kollegen weiß ich, dass Bremerhaven bereits bei den Nachbarn auf der anderen Weserseite einen schlechten Ruf hat – von weiter entfernten Städten ganz zu schweigen.

Klischees sind weitverbreitet

Das ist auch mir schon zuhauf aufgefallen: Egal, ob bei Gesprächen mit Freunden in Hildesheim oder Flensburg, mit Besuchern aus Hannover beim Hurricane-Festival oder Gästen aus Westfalen beim Deichbrand: Sätze wie „Bremerhaven? Wer zieht denn da freiwillig hin“ oder „Mal ganz ehrlich: Bremerhaven ist schon ein richtiges Loch, oder?“ sind an der Tagesordnung. Die meisten dieser Bremerhaven-Basher waren mit Sicherheit noch nie hier.

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Das müssen sie aber auch gar nicht, denn das Klischee einer im Morast versinkenden Stadt voller Junkies, Asozialer und Unterbelichteter hält sich auch so hartnäckig. Daran haben die zahlreichen Kritiker, die aus Bremerhaven stammen und weggezogen sind, mit Sicherheit ihren Anteil. Erfüllt es sie mit Genugtuung, wenn plötzlich alle auf ihrer einstigen Heimat herumhacken? Diese Frage können sie nur für sich beantworten.

Viele Probleme

Natürlich hat die Stadt auch genug offensichtliche Probleme, wie etwa die maroden Straßen und Brücken, die hohe Zahl an Arbeitslosen und dem riesigen Schuldenberg, den die Stadt vor sich herschiebt, doch Probleme gibt es in jeder Stadt. Doch nicht in jeder Stadt gibt es Bürger, die stolz von sich behaupten: „Ich wohne da, wo andere Urlaub machen.“