Fast-Food-Restaurant mit Retro-Charme: Die Hamburger Farm macht ihre Gäste seit 1984 satt

Menschen kommen und gehen, Läden machen auf und verschwinden wieder – die Hafenstraße befindet sich seit Jahren im Wandel. Doch es gibt verlässliche Orte im Stadtteil, die sich wie ein Felsen gegen den Strudel der Veränderung behaupten: Die Hamburger Farm ist so ein Ort. Ein Anlaufpunkt, an dem sich Pausieren und Klönen lässt. Und satt werden die Gäste dort auch – zum Beispiel Dank der kultigen Farmburger, die seit der Eröffnung 1984 serviert werden.

Inhaber kennt seine Kunden

„Wir haben Kunden, die waren als Kinder hier und kommen jetzt als Großeltern“, sagt Inhaber Rainer Schneider, der die Hamburger Farm seit ihrer Gründung kennt und noch nach Jahrzehnten hinter dem Tresen steht, seinen Kunden persönlich in die Augen blickt, immer adrett gekleidet mit Hemd und Krawatte. Die Gesichter kennt er, die Geschichten mitunter auch. „Wenn ich auf der Hafenstraße unterwegs bin, kenne ich fast jeden“, sagt Schneider. Ein Gang im Quartier könne durch viele Gespräche schon einmal etwas länger dauern.

Alles war ganz anders geplant

Die Hamburger Farm ist der Lebensmittelpunkt von Rainer Schneider und seiner Ehefrau Brigitte, das Gebäude an der Ecke zur Frenssenstraße ist ihr Arbeitsplatz ebenso wie ihr Wohnort. Dabei war eigentlich alles ganz anders geplant. „Ich war zehn Jahre Soldat“, berichtet Schneider von seinem Berufsleben. Nach dem Ausscheiden bestand die Möglichkeit, auf dem Gelände der Bundeswehr in Altenwalde Gastronomie für die Unteroffiziere zu betreiben. Für Schneider, der damals mit seiner Frau in Cuxhaven lebte, ein verlockendes Angebot. Noch verlockender erschien ihm allerdings das Angebot, die Hamburger Farm zu führen.

Alle anderen Filialen sind Geschichte

Anfang der 1980er Jahre drang das Unternehmen Nordsee mit dem Konzept der Hamburger Farm in die Fast-Food-Schiene vor. Bundesweit eröffneten nach und nach mehrere Filialen. Die Bremerhavener Hamburger Farm war 1984 die letzte, die im Rahmen der Kette von Franchise-Nehmern betrieben wurde – die letzte und die hartnäckigste. Alle anderen Filialen sind bereits Geschichte.

Seit 2007 in Eigenregie

Schneider, der seit Beginn in der Hamburger Farm angestellt war, übernahm das Geschäft 2007 dann vollends in Eigenregie. „Wir haben fast zehn Jahre voll“, sagt Schneider stolz. Der persönliche Geschmack zeigt sich, es wird stark auf das Frühstückangebot geachtet, es gibt an einzelnen Wochentagen beinahe unschlagbar günstige Snacks, und wer es hafenstädtisch mag, bekommt auch Rollmops im Plastiktöpfchen. Außerdem wird die Farm zunehmend gemütlicher, Ehefrau Brigitte dekoriert den Jahreszeiten entsprechend. Das Mobiliar entstammt noch den 80er Jahren. „Es war alles mal in Naturholz“, sagt Rainer Schneider. Dann folgte eine Phase in Türkis. „Das mochten wir dann nicht mehr leiden“, berichtet er. Jetzt sind die Bänke in dunklem Rot gehalten. „Man darf nicht umbauen, das muss alles so bleiben“, sagt seine Frau augenzwinkernd.

Krakeelende Kinder und Jugendliche haben keine Chance

Den Wandel um sie herum bekommt das Ehepaar mit. Ihr derzeitiger Eindruck ist positiv: „Die Kirche macht sehr viel“, berichtet Rainer Schneider. Außerdem sei im Stadtpark etwas los, und es gebe die Führungen durch das Goethequartier. Er beobachte zudem, dass vermehrt Studenten nach Lehe zögen. „Die bekommen dann Besuch von ihren Eltern, und dann geht es schon mal in die Hamburger Farm.“
Auch Mitarbeiter von der Sparkasse oder der Stadtverwaltung und anderen ansässigen Firmen tummelten sich auf den roten Sitzbänken des zweigeschossigen Fastfood-Restaurants. Aber natürlich kämen auch Familien, dann könne es auch mal lauter werden. Krakeelende Kinder und Jugendliche haben bei Rainer Schneider jedoch keine Chance. Wer Krach macht, bekommt eine klare Ansage und einen strengen Blick. „Vielleicht hilft mir dabei meine Zeit als Soldat“, sagt Rainer Schneider und grinst.

Kein Urlaub seit Jahren

In den vergangenen Jahrzehnten hätten viele Menschen in der Hamburger Farm gearbeitet. „Zu manchen haben wir noch Kontakt, sie schauen vorbei“, sagt Rainer Schneider. Aber es sei nicht immer einfach, geeignete Mitarbeiter zu finden. Mitunter seien sie enttäuscht worden, etwa was die Ehrlichkeit angehe. Aber wenn auch die Chemie mit dem Inhaberehepaar stimmt, dann kommt es für die Mitarbeiter darauf an, hinter der Kasse zurechtzukommen, den richtigen Ton für die Kunden zu treffen. Etwa, wenn Betrunkene oder Stänkerer vor dem Tresen stehen. „Man muss sich etwas anhören können und Distanz halten“, sagt Rainer Schneider. Diesen Rat gebe er auch seinen Mitarbeitern. „Einer von uns beiden ist immer im Laden“, sagt Schneider. Urlaub hätten sie in den vergangenen Jahren keinen mehr gemacht, geöffnet haben sie an sieben Tagen in der Woche.
Rainer Schneider ist 63 Jahre alt, seine Frau 61 Jahre. Wenn auch das Rentenalter eigentlich gar nicht mehr so fern ist, denkt Rainer Schneider noch nicht ans Aufhören. „Ein paar Jahre wollen wir noch weitermachen“, sagt Rainer Schneider. „Da ist kein Ende in Sicht.“ Die Versorgung mit Farmburgern ist gesichert, der Kult geht weiter.