Fest für die plattdeutsche Sprache

Es darf nicht platt gemacht werden – das Plattdeutsch unserer Region. Dafür kämpfen die einen mit musikalischen, die anderen mit politischen Waffen. Zum ersten Bremerhavener Platt-Fest in der Stadthalle haben immerhin rund 250 Mundartfreunde von Alt bis Jung den niederdeutschen Barden gelauscht. Und etwa die Hälfte unterschrieben die Forderung, das Institut für niederdeutsche Sprache (INS) in Bremen nicht zu schließen.

Institut für Mundart-Pflege wird eingespart

Denn dem Forschungsinstitut zur Pflege der norddeutschen Mundart wird der Geldhahn abgedreht.  Die vier Küstenländer Bremen, Niedersachsen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein haben beschlossen, die Förderung zum Ende 2017 einzustellen. Das aber widerspreche der europäischen Charta für den Schutz der Minderheiten- und Regionalsprachen, ist Bremerhavenerin Lydia Bohling erbost. Sie protestierte beim Platt-Fest auf ihre Weise.

Plattdeutsche Barden sind Lokalmatadoren

Am Rande der Bühne, auf der Lokalmatadoren und Platt-Botschafter wie  Rollo 333, Jochen Wiegandt und das Blancke-Trio heitere und melancholische Weisen aus dem Norden präsentierten, hat Lydia Bohling Unterschriften gesammelt. „Ich will die Listen an die Ministerpräsidenten aller fünf Küstenländer schicken“, sagt die 86-Jährige kämpferisch. „Denn die haben die EU-Charta 1999 unterschrieben und wollen jetzt das Institut schließen. Das darf nicht sein.“

Platt gehört zum Alltag vieler Menschen

Die niederdeutsche Mundart fördere das Verständnis der Kulturen untereinander. „Das kann nur aus dem Wissen um die eigenen Wurzeln erwachsen.“ Diese Wurzeln auszureißen, um Gelder einzusparen, sei kurzsichtig und folgenschwer, so Bohling. Das Platt, betonte auch Festival-Besucher Jörg Tidden, „charakterisiert unsere Lebensart, es ist kommunikativ, wird im Alltag draußen noch so oft gesprochen. Das Institut muss bleiben.“