Nach Nachtschicht-Schock: Hier haben die Bremerhavener früher gefeiert

Die Nachricht vom Insolvenzantrag der Disco „Nachtschicht“ traf die Bremerhavener am Dienstag wie ein Schock. Seit 13 Jahren ist sie fester Bestandteil des Bremerhavener Nachtlebens und gleichzeitig ein letztes Überbleibsel einer einst pulsierenden Disco-Szene.

Die Kult-Discos sind unvergessen

Denn anders als heute hatte Bremerhaven vor allem in den 80er und 90er Jahren seiner Jugend so einiges zu bieten, was Tanztempel anbelangte. Discos wie „Kraftwerk“, „Enterprise“, „Ballhaus“ oder „Q-Club“ erlangten unter den Nachtschwärmern schnell Kultstatus und ihre Namen sorgen noch heute bei vielen Bremerhavenern für leuchtende Augen.

Erste Disco mit Lasershow

Das „Kraftwerk“ öffnete erstmals 1980 im ehemaligen „Deutschen Garten“ seine Tore. Die Disco in der Hafenstraße war die erste mit einer professionellen Lichtanlage und Bässen, die bis in die Magengrube wummerten. Die Geschäfte liefen so gut, dass bald schon Live-Acts wie Jennifer Rush oder Klaus Doldinger mit seiner Band Passport engagiert wurden.

Im "Kraftwerk" fanden regelmäßig Tanzwettbewerbe statt.
Im "Kraftwerk" fanden regelmäßig Tanzwettbewerbe statt. Foto: NZ Archiv

Beinahe-Katastrophe läutet das Ende ein

Eines Abends in den späten Achtzigern kam es im „Kraftwerk“ jedoch beinahe zu einer Katastrophe, als eine bewegliche Decke mit einer tonnenschweren Lichtanlage auf die Tanzfläche stürzte. Wie durch ein Wunder kam niemand ums Leben, doch für die Disco war es der Anfang vom Ende. Kurz nach dem Unglück kam es zur Kündigung und die Disco wurde schließlich abgerissen.

Das „Ballhaus“ schreibt Geschichte

Doch Paul Steffens, der Betreiber des „Kraftwerks“, hatte noch nicht genug vom Nachtleben. Er baute eine Halle gegenüber vom Zolltor Rotersand um und rief das „Ballhaus“ ins Leben. Auch mit dieser Disco wurde Bremerhavener Geschichte geschrieben, denn als das „Ballhaus“ zum ersten Mal für seine Gäste öffnete, war Jessica Janssen an forderster Front mit dabei – als erste weibliche Türsteherin der Seestadt.

Flugzeuge unter der Decke

Ein paar Jahre später wurde noch einmal kräftig in die Discothek investiert und aus dem „Ballhaus“ wurde das „Get Up“. Auch das „Get Up“ war eine Disco der Superlative – mit der größten Lichtanlage der Stadt und zur Deko hingen ausrangierte Jagdflugzeuge unter der Decke.

Jagdflugzeug im Foyer: Mit dem "Get Up" wollten Paul Steffens (rechts) und sein Partner Hermann Giesche (Mitte) ganz hoch hinaus.
Jagdflugzeug im Foyer: Mit dem "Get Up" wollten Paul Steffens (rechts) und sein Partner Hermann Giesche (Mitte) ganz hoch hinaus. Foto: NZ Archiv

Auch das „Get Up“ bleibt nicht lange

Doch schon bald war die Kreditlast nicht mehr zu stemmen. Betreiber Paul Steffens ließ sich auszahlen und zog sich aus dem Geschäft zurück. Kurze Zeit später war auch für das „Get Up“ Schluss.

High-Tech-Disco beeindruckt mit Lasershow

Seit 1985 bot auch das „Enterprise“ den tanzwütigen Seestädtern so einiges. Die Disco machte sich schnell als High-Tech-Disco einen Namen, denn Betreiber Hermann Giesche stattete sie mit einer hochmodernen, beweglichen Lichtanlage aus. Die fein ausgetüftelte Lasershow zum Beat der Musik konnte selbst bundesweiten Vergleichen standhalten.

Aus eins mach zwei

Als die Disco 1993 zu einem Konzertsaal umgebaut wurde, blieb der Publikumszuspruch jedoch weit hinter den Erwartungen zurück, weshalb man sich bald wieder auf das bewährte Konzept besann. Schon ein Jahr später eröffnete Giesche das „Enterprise II“. Doch der Gebäudebesitzer zog die Mietpreise kräftig an, wodurch er das Ende des „Enterprise“ besiegelte. Giesche packte zusammen und am 5. April 1995 gingen im „Enterprise“ die Lichter aus.

Techno war im „Q“ verpönt

Doch Mitte der 90er hatte sich schon ein ganz anderer Club einen Namen gemacht: der „Q-Club“ in der Lloydstraße. Hier wurde ausschließlich Black Music gespielt, das Interieur beeindruckte durch sein schickes Blau-Weißes Design. Und die konsequente Einlasspolitik entpuppte sich als cleveres Konzept. Denn während sich andere Discos zur selben Zeit mit gewalttätigen Gästen herumärgerten, gab es im „Q“ nicht eine Schlägerei.

Mit dem Besitzer geht auch der Erfolg

Doch auch das „Q“ blieb Bremerhaven nicht sehr lange erhalten. Disco-Chef Thomas „Potte“ Seebeck verabschiedete sich 1995 aus dem Geschäft, ein neuer Besitzer führte den Betrieb daraufhin noch einige Jahre mit schwindendem Erfolg weiter, bis auch das „Q“ von der Bildfläche verschwand.

Für die „Nachtschicht“ vorerst kein Ende in Sicht

In der „Nachtschicht“ soll der Betrieb übrigens wie gewohnt weitergehen. Heute Abend um 22 Uhr startet die High Energy Night.