Polizeigewerkschaft: „Ausländeramt vor dem Kollaps“

Die Mitarbeiter des Bremerhavener Ausländeramtes sind komplett überlastet. Das sagt Benjamin Kieck, neuer Vorsitzende der Polizeigewerkschaft (GdP) in der Stadt. Immer mehr Arbeit müsse dort von immer weniger Leuten bewältigt werden. Der Behörde drohe der Kollaps. „Stimmt nicht“, meint hingegen der Sprecher des Magistrats, Volker Heigenmooser.

Steigende Fallzahlen, wechselndes Personal, nicht wiederbesetzte Stellen, eine Krankenquote von 30 bis in der Spitze 60 Prozent und eine über dem Durchschnitt liegende Altersstruktur der Sachbearbeiter führten zu erheblichen Problemen. „Das Amt ist kontinuierlich kaputt gespart worden“, kritisiert der Polizeikommissar.

Magistratssprecher: „Schilderung ist nicht nachzuvollziehen“

Personalmangel, zu viel Arbeit, hohe Belastung? Für Magistratssprecher Heigenmooser sind diese Schilderungen „merkwürdig und nicht nachzuvollziehen“. „Es hat bisher kein Problem gegeben, die Stellen zu besetzen“, sagt er. Auch der Altersdurchschnitt sei ganz normal. Und außerdem: „Es gibt keinen Personalmangel – im Gegenteil.“ Im Zuge der Flüchtlingskrise 2015 seien beim Amt schließlich drei zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen worden. Die Flüchtlingskrise sei nun abgeklungen, die drei Stellen seien aber erhalten geblieben.

Heigenmoosers Argument, die Flüchtlingskrise sei vorbei und der Arbeitsaufwand in der Behörde entsprechend weniger, lässt Kieck nicht gelten. Das Problem sei viel komplexer und lasse sich grob auf drei Entwicklungen zurückführen: Mehraufwand durch elektronische Aufenthaltstitel, nachträglicher Mehraufwand durch die Flüchtlingskrise und Mehraufwand durch strengeres Ausländerrecht.