RTL-Dreh in Bremerhaven: Endlich mal kein Bremerhaven-Bashing #isso

Am Mittwochabend berichtete Stern TV über das Kinderprojekt „Sonnenblume“ in Leherheide. Mein Eindruck: In der „Sonnenblume“ steht die Tür immer offen. Mitarbeiter machen eine tolle Arbeit. Übliches Bremerhaven-Bashing bleibt aus. #isso

„Sonnenblume“ steht im Vordergrund

Als es hieß, dass RTL über Bremerhaven berichtet, dachte ich mir: bitte nicht schon wieder! Nachdem mehrmals negativ über Bremerhaven berichtet wurde, befürchtete ich, dass es wieder in Richtung „in Bremerhaven ist doch eh alles schlecht“ geht. So ging es auch los. Fast jedes zweite Kind in Bremerhaven ist von Armut bedroht. Man bekam aber schnell den Dreh und schob das Sozialprojekt „Sonnenblume“ in den Vordergrund.

Stadt zahlt nichts für die „Sonnenblume“

In Leherheide angekommen, wurde Ilka Bessin von der Betreuerin Gabriele Beck in der „Sonnenblume“ in Empfang genommen, die jeden Tag mit ihren Kollegen für die Kinder da ist. Und das ohne Bezahlung. Eine tolle Sache! Diese Einrichtung unterstützt nur Kinder in Bremerhaven, die in schwierigen Verhältnissen aufwachsen. Denkt man. Doch auch Kinder aus besseren Verhältnissen sind willkommen. Finanziert wird das Projekt ausschließlich durch Spenden. Ein Vertreter der Stadt erklärte, so Beck, dass das Projekt eine tolle Sache sei und das Beste sei, das es der Stadt nichts koste. „Da lachen wir heute noch drüber“.

Kinder können nichts für ihre Eltern

Ilka Bessin, die selbst eine schwierige Kindheit hatte, kann sich gut in die Lage der Kinder hineinversetzen. Viele Kinder bekommen in der „Sonnenblume“ ihre erste Mahlzeit am Tag: „Es liegt nicht an dem fehlenden Geld, sondern an den Eltern“, so Beck. Viele Kinder bekämen zu Hause nichts zu essen oder liefen ständig mit den selben, kaputten Klamotten herum, erzählt Beck. „Da gehen wir dann auch mal los und kaufen den Kindern neue Klamotten.“

Ilka Bessin besucht eine Familie in Leherheide

Für Bessin ist die Einrichtung eine spitzen Sache. Sie besuchte die Familie eines Kindes – Mutter als Kassierin tätig, Stiefvater bezieht Hartz 4. Doch obwohl immer einer zu Hause ist, schicken sie ihre Tochter in die „Sonnenblume“. Sie erzählen Bessin, dass man der Tochter in der „Sonnenblume“ ein soziales Umfeld geben möchte. Im selben Atemzug erzählt die Mutter, dass sie ihren freien Tag auch mal genießen möchte und ihr Kind dann ruhig in die „Sonnenblume“ gehen könne. Darüber muss man sich mal Gedanken machen!!! Die Kinder werden „abgeschoben“, obwohl die Eltern zuhause sind.

Hier ist der Beitrag von Stern TV zu sehen:

Dann kam Heinz Buschkowsky

Der ehemalige Bügermeister des Berliner Bezirks Neukölln, Heinz Buschkowsky,war zusammen mit Gabriele Beck und Ilka Bessin zu Gast im Studio. Er sollte über Armut berichten. Als ich das hörte, dachte ich mir, dass kann ja was werden, denn in Neukölln leben 75 Prozent der Kinder in Hartz-4-Familien. Ein Experte, der sich mit Armut auskennt. Aber auch ein Experte, der auf Bremerhaven einprügelt? Nein, es es kam anders. Der ehemalige Politiker, der für Sätze wie „Wir müssen uns zum Anwalt der Kinder machen“ bekannt ist, machte Bremerhaven nicht schlecht.

Teufelskreis Hartz 4

„Es gibt auch Kinder die dem Teufelskreis Hart 4 entfliehen können“, erzählt „Sonnenblume“-Mitarbeiterin Beck. Ein Beispiel sei ein Mädchen, dass in die „Sonnenblume“ kam und schließlich ihren Abschluss machte und einen Ausbildungsplatz bekam.

Kein Bremerhaven-Bashing

Meine anfänglichen Sorgen, dass Bremerhaven, wo jedes zweite Kind in Armut lebt, in ein schlechtes Licht gestellt wird, waren unbegründet. Statt auf Bremerhaven einzuschlagen, schob man das Sozialprojekt in den Vordergrund. Mal eine andere Seite Bremerhavens. In Bremerhaven ist zwar nicht alles klasse. Doch so schlecht, wie die Stadt oft gemacht wird, ist sie nun auch nicht.