Seit vier Jahren auf der Suche nach einem Firmennachfolger

Seit nunmehr 35 Jahren sind Ruth und Bernhard Dobschinski mit Herzblut und viel Einsatz dabei. „Wir betreiben unsere Fleischerei mit Leidenschaft“, sagt Ruth Dobschinski. Jetzt wollen sich die beiden zur Ruhe setzen. Doch das ist gar nicht so einfach. Es findet sich kein Firmennachfolger für das gut gehende Geschäft im Columbus Center. „Wenn sich das dieses Jahr nicht ändert, müssen wir das Geschäft schließen. Das wäre wirklich schade“, bedauert die 65-Jährige.

Auch sie selber sei ursprünglich aus einer ganz anderen Branche gekommen und habe sich erst eingearbeitet. Das war 1980. Ein Jahr später siedelten ihr Mann Bernhard und sie von Bremen-Nord nach Bremerhaven um. In der Hafenstraße eröffneten sie einen Fleischerladen mit eigener Produktion. Selber geschlachtet wurde jedoch nicht.

Von der Hafenstraße ins Columbus Center

„Im Mai 1990 mussten wir leider raus dem Gebäude. Es sollte abgerissen werden“, erzählt Ruth Dobschinski. Zufällig sei gerade ein neues Ladengeschäft in der Marktpassage des Columbus Center frei geworden. Da habe man zugegriffen. Die Produktion konnte noch ein Jahr weiter in der Hafenstraße bleiben, dann zog auch sie um: in die Räume einer ehemaligen Fleischerei in der Alten Bürger. „Dort haben wir dann auch eine Filiale unterhalten“, sagt die 65-Jährige.

Als 2005 der Vertrag auslief, blieb es beim Geschäft im Columbus Center. „Die Waren haben wir dann von zwei befreundeten Kollegen bezogen. Bratwurst und Frikadellen hat mein Mann aber weiterhin selber gemacht, und ich habe gekocht“, erzählt Ruth Dobschinski.

Viel mehr als das normale Sortiment einer Fleischerei

Die Fleischerei bietet mittlerweile viel mehr als das normale Sortiment. Frischfleisch, Hähnchen, Wurstspezialitäten und Salate sind hier ebenso zu finden wie Schinken und Salami aus Italien und Spanien. Dazu kommt Käse aus Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und Dänemark. Auch warme Speisen haben die Dobschinskis im Angebot – hauptsächlich Hausmannskost, aber auch vegetarische und leichte Gerichte. Dazu gibt es Getränke. Gegessen und getrunken werden kann direkt in einem Areal vor dem Verkaufstresen mit Stühlen und Tischen.

„Das Geschäft läuft gut. Neben unseren Stammkunden, die uns bereits seit Jahren treu sind, haben wir auch viel Laufkundschaft“, sagt Ruth Dobschinski. Zwei Verkäuferinnen unterstützen sie derzeit bei ihrer Arbeit. Trotzdem müsse man sehr viel Zeit aufwenden. „Aber die Arbeit macht Freude. Ich arbeite gerne mit Menschen, und unterhalte mich auch gerne“, sagt sie. Allerdings habe sie jetzt ein Alter erreicht, wo sie auch gerne aufhören wolle – zumal ihr Mann auch mittlerweile 69 Jahre alt sei und mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen habe.

Schon vor drei bis vier Jahren war der Ruhestand geplant

Doch das Aufhören gestaltet sich sehr schwierig. Eigentlich wollte das Ehepaar schon vor drei bis vier Jahren in den Ruhestand gehen, aber es findet sich einfach kein Nachfolger: „Ich weiß, dass viele Betriebe solche Probleme haben. Trotzdem ist es doch ziemlich frustrierend“, gesteht die 65-Jährige. Anzeigen in regionalen Zeitungen hat das Ehepaar geschaltet und auch mit der Handwerkerschaft zusammen gesucht. Es gab auch schon einen Interessenten aus dem Landkreis, doch der sei wieder abgesprungen.

Ideal wäre ein Ehepaar

„Ideal wäre ein Ehepaar, das den Laden übernimmt und das bereit ist, sich voll einzubringen“, wünscht sich Ruth Dobschinski. Sie könnten das Geschäft erst einmal so weiterführen, wie es ist. Auf längere Sicht seien aber wohl schon ein paar Modernisierungen und auch neue Ideen nötig. Schließlich müsse man mit der Zeit gehen. „Ich wäre auch bereit, in der Anfangszeit mit anzupacken und die neuen Besitzer einzuarbeiten“, sagt sie.

Viel Zeit will Ruth Dobschinski allerdings nicht mehr in die Suche investieren: „Wenn hier dieses Jahr keiner kommt, ist das Geschäft weg. Es geht einfach nicht mehr“, bedauert sie. Zwar sei es auch schade um das Lebenswerk, aber ganz besonders leid tut es ihr um die Stammkunden. „Ihretwegen würde ich nur schweren Herzens schließen“, sagt sie und hofft: „Vielleicht meldet sich ja noch jemand.“