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Wohnen auf dem Friedhof? Stadt Bremerhaven findet Idee „pietätlos“

Weil es immer mehr Urnenbestattungen gibt, nimmt der ungenutzte Platz auf Friedhöfen zu. Den könnte man auch als Bauland nutzen. Das ist eine Idee von Studenten aus Kassel, die sich Gedanken darüber gemacht haben, wie eine Bebauung auf Bestattungsflächen aussehen könnten.

Friedhöfe in Bremerhaven sind zu groß

In Bremerhaven ist die Idee vom Tisch. Obwohl die Friedhofsflächen in der Seestadt viel zu groß sind, wie der zuständige Gartenbauamts-Leiter Leroy Czichy bestätigt. Er findet die Idee, ungenutzte Friedhofsflächen als Bauland zu nutzen „pietätlos“.

Lösung für Metropolen

Das Wohnen auf einem ehemaligen Bestattungsort ist nicht jedermanns Sache, weiß auch Alexander Helbach, Sprecher der Verbraucherinitiative Aerternistas. Die Bebauung ist für ihn aber nicht abwegig. Gerade in Metropolen wie Hamburg, Frankfurt, Berlin oder München könne das eine Lösung sein.

Flächen zurück an die Stadt

In Bremerhaven sind die Stadtplaner in den 70er Jahren noch von anderen Einwohnerzahlen ausgegangen. Dementsprechend groß wurden auch die Friedhöfe geplant. Jahrzehnte später hat das für Friedhöfe zuständige Gartenbauamt bereits eine größere Fläche in Lehe an Seestadt Immobilien zurückgegeben. Die war einst zur Erweiterung des Friedhofs Spadener Höhe bestimmt.

Friedhof in Geestemünde zu groß

Das Gleiche auf dem Geestemünder Friedhof, der rund 170 000 Quadratmeter groß ist. Auf ein Fünftel der Fläche könne die Friedhofsverwaltung verzichten.

Kirche verkauft an Investor

Am Altwulsdorfer Friedhof hat sich die Kirche ebenfalls von rund 4000 Quadratmeter Friedhofserweiterungsfläche getrennt. Ein Investor möchte dort tatsächlich Mehrfamilienhäuser bauen.

Höhere Gebühren

Das Ganze lässt sich auch in Euro umrechnen: Rund 250 Millionen Euro koste der Unterhalt ungenutzter Friedhofsareale deutschlandweit. In Bremerhaven sind die Friedhofsgebühren erhöht worden, weil Bremerhaven mehr als 200 000 Euro Verlust mit dem Unterhalt seiner Friedhöfe gemacht hat.

Lili Maffiotte

Lili Maffiotte

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Lili Maffiotte, Spanierin mit kompliziertem Namen, aber ohne Spanischkenntnisse, geboren und aufgewachsen in Norddeutschland. Seit 23 Jahren bei der NORDSEE-ZEITUNG - als gelernte Fotografin von der Bildredaktion über ein Volontariat in die Lokalredaktion mit Zwischenstationen in der Sportredaktion. Seit Oktober 2015 in der Online-Redaktion für die Social-Media-Kanäle zuständig.