Härtere Strafen für Raser: Haft als Abschreckung

Lebensgefährliche illegale Autorennen sollen Raser nach dem Willen der Länder künftig ins Gefängnis bringen können. Zur stärkeren Abschreckung sollen Teilnehmern solcher Rennen bis zu zwei Jahre Haft drohen – und bis zu zehn Jahre, wenn jemand schwer verletzt oder getötet wird. Das sieht ein Gesetzentwurf vor, den der Bundesrat nach einem Beschluss von Freitag in den Bundestag einbringt. Eine wichtige Hürde hat der Entwurf nun passiert: Der Bundesrat gibt grünes Licht. 

Bundesverkehrsministerium: Gesetzeslage ist ausreichend

Bisher stehen auf Renn-Teilnahmen 400 Euro Bußgeld und ein Monat Fahrverbot. Das Parlament muss sich nun mit dem Vorstoß der Länder befassen. Das Bundesverkehrsministerium hatte Skepsis erkennen lassen und angedeutet, die bestehende Gesetzeslage sei ausreichend.

Die schlimmsten Raser-Unfälle

  • August 2016: Ein Motorradfahrer kommt nach einem Zusammenstoß mit einem Porsche auf der Autobahn 66 in der Nähe von Frankfurt am Main ums Leben. Möglicherweise lieferten sich die beiden Fahrer ein Rennen, die Ermittlungen der Polizei dauern noch an.
  • August 2016: Ein 22-jähriger Autofahrer rast bei Überherrn im Saarland in eine Gruppe Jugendlicher auf dem Bürgersteig. Eine 14-Jährige wird getötet, ein 16-Jähriger schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Unklar ist, ob es sich um ein illegales Autorennen gehandelt hat. Es seien in der Nähe noch andere getunte Fahrzeuge gesehen worden, die beteiligt gewesen sein sollen.
  • Juli 2016: Wieder ein illegales Rennen in Köln. Bei einem Zusammenstoß zweier Autos wird eine Beifahrerin verletzt. Zuvor waren ein 23 und ein 24 Jahre alter Mann durch die Stadt gerast, hatten einander überholt und waren im Zickzack-Kurs auf einer mehrspurigen Straße um andere Autos herumgefahren, bis sie miteinander kollidierten.
  • Juni 2016: Im Berliner Ortsteil Charlottenburg verliert ein junger Mann bei einem Rennen die Kontrolle über sein Auto und rammt einen stehenden Bus. Der 20 Jahre alte Autofahrer wird aus seinem Wagen geschleudert und beim Aufprall schwer verletzt.
  • Mai 2016: Zwei Fahrer liefern sich ein Rennen in der Innenstadt von Hagen (Nordrhein-Westfalen). Bei einem Ausweichmanöver rammt einer der Raser unbeteiligte Autos. Fünf Menschen werden verletzt. Ein Sechsjähriger ist tagelang in Lebensgefahr, überlebt aber. Die Staatsanwaltschaft hat gegen die beiden Raser Anklage erhoben. Der sechsjährige Junge ist inzwischen auf dem Weg der Besserung.
  • Februar 2016: In der Nähe der Berliner Gedächtniskirche fahren zwei junge Raser ein tödliches Rennen. Eines der Autos stößt mit einem Geländewagen zusammen, dessen 69 Jahre alter Fahrer stirbt. Die Staatsanwaltschaft hat im Juli Anklage wegen Mordes gegen die 24- und 27-Jährigen erhoben.
  • Januar 2016: Bei einem illegalen Rennen in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) verliert ein Fahrer die Kontrolle über seinen Wagen und prallt gegen einen Baum. Auf dem Rücksitz des Autos stirbt eine 22 Jahre alte Frau, zwei weitere Mitfahrer werden schwer verletzt.
  • Dezember 2015: In Karlsruhe liefern sich zwei Autofahrer ein Rennen, bis es zum Unfall kommt. Beide Wagen rammen mehrere unbeteiligte Autos. Sechs Menschen werden verletzt, zwei von ihnen schwer.
  • April 2015: Zwei junge Männer rasen durch Köln. Bei Tempo 100 verliert einer der beiden die Kontrolle über seinen Wagen. Eine 19 Jahre alte Radfahrerin wird tödlich verletzt.
  • April 2015: Während ein Radfahrer in Leverkusen bei Grün die Straße überqueren will, fahren zwei Raser viel zu schnell auf die Kreuzung zu. Einer erfasst den 20-Jährigen und verletzt ihn schwer.
  • März 2015: Bei einem Rennen fährt ein Raser in Köln über eine rote Ampel und rammt ein Taxi. Ein Fahrgast stirbt später an seinen schweren Verletzungen.
Lili Maffiotte

Lili Maffiotte

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Lili Maffiotte, Spanierin mit kompliziertem Namen, aber ohne Spanischkenntnisse, geboren und aufgewachsen in Norddeutschland. Seit 23 Jahren bei der NORDSEE-ZEITUNG - als gelernte Fotografin von der Bildredaktion über ein Volontariat in die Lokalredaktion mit Zwischenstationen in der Sportredaktion. Seit Oktober 2015 in der Online-Redaktion für die Social-Media-Kanäle zuständig.