Jochen Fraatz: Berühmt für den Dreher

Tor-Rekorde ohne Ende und ein pfeilschnelles Spiel sichern ihm auf ewig einen Namen im Handball-Sport: Jochen Fraatz, Spitzname Scholle, zählt auch Jahre, nachdem er seine Karriere beendet hat, noch immer zu den Großen seines Sports.

Berühmt für den Dreher

2660 Tore hat er in 441 Bundesligaspielen geworfen. Berühmt wurde er durch einen speziellen Wurf: Den von einem sowjetischen Nationalspieler erfundenen Dreher entwickelte er bis zur Perfektion weiter. Mit viel Kraft wird der Ball bei Würfen aus spitzem Winkel meist als Aufsetzer um den Torhüter herum gezirkelt.

Mit dem Dreher zum Sieg

Fraatz’ ehemaliger Trainer Petre Ivanescu bei TUSEM Essen hatte diesen Kniff damals allerdings ausdrücklich verboten. Als Essen beim TBV Lemgo dann  einmal zurücklag, setzte sich Scholle jedoch darüber hinweg und zirkelte den Ball so kurz vor Schluss gleich zweimal ins Tor der Gegner. Essen siegte. In der Kabine gab es der Überlieferung nach einen kurzen Rüffel vom Trainer mit den Worten: „Bist du bescheuert… aber war gut!“

Lob vom Bundestrainer

Es sind Szenen wie diese, die Handballbegeisterte bis heute von dem gebürtigen Cuxhavener schwärmen lassen. Der ehemalige Bundestrainer Simon Schobel sagte über ihn: „So einer wie Scholle wird nur alle 100 Jahre geboren.“

Verdachtsdiagnose bestätigt sich

Tatsächlich denkt der mittlerweile in Nordhorn lebende Jochen Fraatz noch immer gern an seine aktiven Zeiten zurück. Umso mehr, als ihm das Schicksal in den letzten Jahren zugesetzt hat. 2013 wurde bei ihm – nach einer ersten Verdachtsdiagnose 2001 – Multiple Sklerose diagnostiziert, die plötzlich und heftig ausbrach und den Handball-Star mittlerweile deutlich einschränken. „Es ist nicht leicht, aber man muss damit leben und das beste daraus machen.“