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Bremerhaven Ein Überlebender aus Auschwitz trifft Schollschüler

Er ist 87. Jude. Amerikaner. Und beseelt von der Mission, jungen Menschen überall auf der Welt vom Holocaust zu erzählen. Denn er hat ihn überlebt. Er entkam den KZ Auschwitz und Dachau.  Nun ist Leslie Schwartz nach Bremerhaven gekommen. In die Stadt, aus der er vor 71 Jahren als Junge auswanderte.

Einladung vom Schulzentrum Geschwister Scholl

Eingeladen hat ihn das Schulzentrum Geschwister Scholl. Denn seit einem Dreivierteljahr hat der Leistungskursus Geschichte Kontakt zu dem gebürtigen Ungarn, der in  New York Karriere gemacht hat. Und dessen Leben zurzeit in Hollywood verfilmt wird. Am Deutschen Auswandererhaus in Bremerhaven erzählt der 87-Jährige in Begleitung seiner Frau Anette den Jugendlichen von seinem Schicksal. Und wie er den Auschwitz-Arzt Josef Mengele austrickste.

Zu Fuß kommt der 87-Jährige mit seiner Frau den weiten Weg vom Hotel am Rotersand den Neuen Hafen entlang bis zum Auswandererhaus. "Es ist wirklich schön hier." Foto Scheschonka

Er hat den Auschwitz-Lagerarzt Josef Mengele ausgetrickst

„Ich habe ihm gesagt, ich bin 17. Aber ich war erst 14“, erzählt Schwartz den sechs Schülern, die gebannt an seinen Lippen hängen. „Hätte Mengele mich ins Kinderlager gebracht, wäre ich gestorben.“ Und schmunzelnd fügt er hinzu: „Damals als Junge fand ich, dieser Arzt sieht gut aus, so groß.“ Dass der Mann ein Verbrechen an der Menschheit verübte, wusste der Junge ja nicht. Noch nicht.

In der Galerie der Millionen im Deutschen Auswandererhaus erzählt Leslie Schwartz den Jugendlichen eindringlich von seiner eigenen Auswanderung. Foto Schwan

Sechs Schüler erarbeiten die Biografie des Holocaust-Überlebenden

Die sechs Scholl-Schüler habe seit vorigen Herbst die Biografie des Holocaust-Überlebenden recherchiert und daraus mit Pädagogin Christina Hegner eine umfangreiche Broschüre verfasst. Höhepunkt dieser Arbeit war nun das persönliche Treffen mit Leslie Schwartz und seiner deutschen Frau Anette. Am Donnerstag führten die Jugendlichen die beiden Gäste durchs Auswandererhaus. Am Freitag sprach Schwartz in der Scholl-Aula vor versammelter Lehrer- und Schülerschaft. Seine Botschaft ist eindringlich.

An der theatralisch nachgebauten "Kaje der Tränen" erlebt Schwartz seine eigene Auswanderung wieder nach. Foto Schwan

2013 hat er das Bundesverdienstkreuz bekommen

„Vergesst es nie: Ihr tragt die Verantwortung, dass es nie wieder Antisemitismus und Verfolgung in Deutschland gibt.“ Unermüdlich erzählt er, zückt aus seiner schwarzen Tasche Dokumente aus Dachau, Fotos, auch sein  Bundesverdienstkreuz. Das hat ihm Bundeskanzlerin Angela Merkel 2013 verliehen.  Damals hatte er sich zugemutet, die Gedenkstätte KZ Dachau anzusehen. Doch nach Deutschland gekommen war Leslie Schwartz schon Jahrzehnte früher.

„Nicht alle Deutschen haben Juden gehasst“

„Ich habe 1972 die Frau besucht, die mich 1945 gerettet hat“, erzählt er. Agnes hieß sie, eine Bäuerin aus dem bayrischen Poing. Da war er auf der Flucht aus Mühldorf. „Sie radelte an mir vorbei und schenkte mir Brot. Denn ich habe vor Hunger Gras gegessen.“ An ihrem Geburtstag hat er sie 1972 wiedergesehen. „Sie ist ein Beispiel, dass nicht alle Deutschen die Juden gehasst haben, nicht alle Nazis waren. Ich bin dankbar für die Güte aller, die mir geholfen haben, zu überleben.“