Nachtschicht Bremerhaven: So war die erste Nacht nach dem Insolvenzantrag

Die Bremerhavener Disco „Nachtschicht“ ist zahlungsunfähig, der Insolvenzantrag schon gestellt. Diese Nachricht verbreitete sich in den vergangenen zwei Tagen in Windeseile. Auch wenn der Betrieb unverändert weitergehen soll – wer weiß, wie viele Chancen es noch gibt, sich die Nacht in der „Nachtschicht“ um die Ohren zu schlagen. Also lieber gleich mal vorbei schauen.

Yeah, ich darf rein!

Es ist Mittwoch, kurz nach Mitternacht, und die Türsteher vor der „Nachtschicht“ sind in der Überzahl. Fünf an der Zahl, einer will meinen Ausweis sehen. Kann er haben. Nein, ich habe nicht zufällig ein Taschenmesser in meinen Hosentaschen vergessen. Darum darf ich rein.

Das sieht hier ja aus wie in ’nem Wohnzimmer!

Drinnen empfängt mich ein großer Raum, der eigentlich ganz gemütlich ist. Viel Holz, alte Bilder an den Wänden, Bücher in den Regalen und Lampen, die wie Kerzen flackern. Gleich am Eingang eine Bar, viele gemütliche Sitzecken und in der Mitte die abgegrenzte Tanzfläche. Wenn doch bloß die Musik nicht wäre.

Die Boxen vertragen die hohen Töne nicht

Der Sound ist nämlich grenzwertig, die Boxen scheinen vor allem die hohen Töne nicht zu vertragen. Dafür ist der Bass schwer in Ordnung. Für meinen Geschmack ist es allerdings viel zu laut. Über der Tanzfläche hängt ein Bildschirm, der die aktuelle Lautstärke anzeigt: 101,6 Dezibel. Das ist also gar nicht soooo laut – Discomusik liegt in der Regel bei 110 Dezibel. Trotzdem: ein Presslufthammer kommt auf 80.

Die Tanzfläche wurde mit der Zeit immer voller.
Die Tanzfläche wurde mit der Zeit immer voller. Foto: Filke

 Partypeople belagern die Tanzfläche

Aber schließlich ist man ja hier, um Musik zu hören und Spaß zu haben. Und als Usher seinen Hit „Yeah“ zum Besten gibt, fühle ich mich wieder wie 17. Etwa so alt dürften auch die meisten Partypeople hier sein – so zwischen 16 und 20, schätze ich. Vielleicht 15 von ihnen belagern die Tanzfläche, gehen zu Beyoncé und Eminem ab. Und eine besonders aufgetakelte Schicki-Micki-Tussi hat den Laden fest im Griff.

Der DJ hebt den Altersschnitt beträchtlich

Der Älteste hier ist mit Abstand der DJ, der ist bestimmt schon 40. Er macht seinen Job aber ganz gut, die Tanzfläche wird mit der Zeit immer voller. Ungefähr 100 Leute haben sich mit mir hierher verirrt. Okay, damit ist der Laden längst nicht halbvoll – aber für eine Nacht mitten in der Woche ist das nicht schlecht.

Verlockende Angebote an der Bar

Ein Blick auf die Getränkekarte verrät: Ficken gibt’s an der Bar für 2,50 Euro, für einen Orgasmus muss man dann aber schon 3,50 Euro hinlegen – der ist aber auch doppelt so groß. Trotz des verlockenden Angebots entscheide ich mich ganz klassisch für ein Bier. Das bringe ich kurze Zeit später ordnungsgemäß zur Toilette. Die übrigens längst nicht so schlimm ist, wie ich mir vorher hab sagen lassen. Da habe ich schon viel miesere Club-Klos gesehen. Wobei da sicher gilt: Je später die Nacht, desto dreckiger die Klos.

Keine Spur von Untergang

Von Untergangsstimmung angesichts der drohenden Insolvenz ist jedenfalls nichts zu merken. Die Tanzenden, die ich frage, wissen von nichts. Und auch das Barpersonal schüttelt den Kopf. Die Antwort hätte ich bei dem Lärm allerdings eh nicht verstanden. Der hintere Bereich der „Nachtschicht“ ist jedoch dicht, gestapelte Barhocker mit Absperrband stehen vor der geschlossenen Tür. Keine Ahnung, ob das damit was zu tun hat. Hauptsache ist, die Leute haben Spaß – und das hoffentlich noch sehr lange.